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Ressort: Chronik, Politik, Wirtschaft, Tiroler Adlerrunde
Datum: 26.6.2013
Ort: Innsbruck

Adlerrunde-Studie: Tirols Unternehmer vermissen Wirtschaftsfreundlichkeit und fordern Bürokratieabbau

Am Dienstag präsentierte die Tiroler Adlerrunde ihre aktuelle Studie zur Unternehmerzufriedenheit im Innsbrucker Hypo Center. Im Anschluss daran diskutierten Vertreter der Adlerrunde und hochkarätige Gästen aus der Wirtschaft unter der Leitung der Chefredakteure der Tiroler Tageszeitung sowie des ORF-Tirol die Ergebnisse der SOFFI-Studie. Der zufolge sind 90 Prozent der heimischen Wirtschaftstreibenden mit dem Standort im Herz der Alpen durchwegs zufrieden. Weniger gut fällt hingegen das Zeugnis für die Tiroler Politik aus, der knapp die Hälfte der Unternehmer mangelnde Wirtschaftsfreundlichkeit attestiert. Vor allem das Thema Bürokratieabbau brennt rund 90 Prozent der Befragten unter den Nägeln, weil überbordende Reglementierung als Hemmschuh für eine positive Entwicklung erlebt wird. Mit der vom SOFFI-Institut durchgeführten Erhebung will der überparteiliche Unternehmerverbund Tiroler Adlerrunde, der Politik wichtige Handlungsfelder aus Sicht der Wirtschaft aufzeigen.

Im kleinstrukturierten Wirtschaftsraum Tirol sind kleine und mittlere Unternehmen (KMU) Motor für Wachstum und Beschäftigung, Qualifikation und Innovation. Der überparteiliche Unternehmerverbund Tiroler Adlerrunde vertritt die Interessen dieser KMU und tritt gegenüber politischen Entscheidungsträgern als kompetenter Gesprächspartner auf. Um die aktuelle Stimmung unter Tirols Wirtschaftstreibenden zu erheben, hat die Adlerrunde das SOFFI-Institut damit beauftragt, eine repräsentative Befragung zur Unternehmerzufriedenheit im Land durchzuführen. Die Ergebnisse sollen als Gesprächsgrundlage und Orientierungshilfe für die kommende Legislaturperiode dienen.

Zufriedenheit mit Standort Tirol, Kritik an der Politik

Um möglichst aussagekräftige Ergebnisse zu erzielen, hat das SOFFI-Institut 300 Tiroler Unternehmer im Rahmen von Telefoninterviews befragt. Zusätzlich wurden 15 Unternehmer eingeladen, im Zuge von face-to-face Interviews bzw. einer Gruppendiskussion die Befragungsergebnissen vertiefend zu erörtern. Studienautor Gerhard Wagner vom SOFFI-Institut fasst die Aufgabenstellung wie folgt zusammen: „So wie die Weltbank regelmäßig mit einem globalen Index die internationale Wirtschaftsfreundlichkeit anhand ‚harter Standortfaktoren‘ untersucht – wieweit Staaten ihre Unternehmer also eher fördern oder behindern – bleibt auf regionaler Ebene eine ‚gelebte Kultur der Wirtschaftsfreundlichkeit‘ wichtiges Standortmerkmal.“

Die Resultate von Wagners Untersuchung sind bemerkenswert. So zeigen sich stolze 90 Prozent der befragten Unternehmer mit dem Wirtschaftsstandort Tirol „zufrieden“ oder gar „sehr zufrieden“. Auch die Entwicklung des Standortes in den vergangenen Jahren wird von immerhin 37 Prozent der Befragten als positiv wahrgenommen, weitere 37 Prozent erkennen kaum eine Veränderung und nur etwa ein Viertel zeigt sich besorgt über die Entwicklung.

Hier die Studienergebnisse als PDF-Datei zum Download:
PDF SOFFI-Studie zur Unternehmerzufriedenheit in Tirol 2013

So positiv die Beurteilung des Standortes ausfällt, so kritisch äußern sich die Unternehmer zur Performance der Politik. Fast die Hälfte aller Befragten attestiert den politischen Repräsentanten im Land mangelnde bzw. fehlende Wirtschaftsfreundlichkeit. Ein alarmierender Wert, wie Ingeborg Freudenthaler, die Sprecherin der Tiroler Adlerrunde, festhält: „Dieses Ergebnis bestätigt uns in der Annahme, dass die Politik dringend gefordert ist, sich zu den KMU als treibende Kraft der Tiroler Wirtschaft zu bekennen. Es braucht entsprechende Rahmenbedingungen, um die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Wirtschaft zu fördern.“

Dem gegenüber wird der positive Bezug zur Wirtschaft von Seite der Bevölkerung ungleich stärker erlebt: 84 Prozent der Unternehmen spüren hier in ihrem regionalen Umfeld eine positive Haltung. Die Bevölkerung scheint der Tiroler Wirtschaft damit einen großen Schritt näher als die Politik.

Bürokratieabbau als dringliche Aufgabe

Dringenden Handlungsbedarf sehen die Tiroler Unternehmer beim Thema Bürokratieabbau. Die überbordende Reglementierung wird nämlich vor allem von KMU als Hindernis erlebt, wie wissenschaftliche Untersuchungen bewiesen haben. Bürokratiekosten belasten vor allem Betriebe mit weniger als zehn Mitarbeitern, denen besonders hohe Kosten entstehen. Diese Erfahrung spiegelt sich auch im Stimmungsbild der Tiroler Wirtschafstreibenden wider. Studienautor Wagner spricht angesichts der Kennzahlen gar von einem „Aufschrei“. Denn 98 Prozent der Befragten setzen der Tiroler Politik „Anstrengungen zum Bürokratieabbau“ als „wichtig“ bzw. „sehr wichtig“ auf die Agenda der kommenden Legislaturperiode.
Zugleich zeigen die Unternehmer bei diesem Thema Versäumnisse der vergangenen Jahre auf. Denn fast die Hälfte gibt an, dass sich die Unternehmensbelastung durch Bürokratie in den letzten fünf Jahren sogar noch verschlimmert hat. Wobei hier klar zwischen der unmittelbaren Ebene im Nahbereich, also etwa Referaten der Bezirkshauptmannschaften, und der Landesebene differenziert wird. Erstere, so die Befragten, zeige deutlich mehr Kundenfreundlichkeit, Motivation sowie Entscheidungsfreudigkeit. Während die Unternehmer sich auf Landesebene nur bedingt unterstützt fühlen. „Hier tut sich in der Wahrnehmung eine beachtliche Differenz von drei Zehntelpunkten auf, die zugleich als Auftrag an die Landespolitik verstanden werden sollte“, so Studienautor Wagner.

Kritik gibt es auch beim Thema Wirtschaftsförderung. Nur die Hälfte der Befragten zeigt sich mit der geleisteten Förderung zufrieden, drei Viertel sind hingegen der Ansicht, dass es bei diesem Thema für die neue Regierung „auf jeden Fall“ ganz besonderen Handlungsbedarf gibt.

Schlechtes Zeugnis für alte Regierung, Vertrauensvorschuss für die schwarz-grüne Koalition

Insgesamt attestieren die Tiroler Unternehmer der Landespolitik eine Führungsschwäche, die top-down zu wenig klare Orientierung bietet und schafft. So zeigen sich 42 Prozent der Befragten mit der Wirtschaftspolitik in der abgelaufenen Legislaturperiode „wenig“ oder „gar nicht“ zufrieden. Der neuen schwarz-grünen Koalition bringen die heimischen Unternehmer hingegen Vertrauen entgegen: 27 Prozent erwarten sich eine verbesserte Wirtschaftspolitik, mehr als die Hälfte gewärtigt kaum Veränderungen und nur 18 Prozent befürchten negative Auswirkungen der neuen Konstellation auf das Tiroler Wirtschaftsklima.

Fazit: Politik ist gefordert, Wirtschaft hofft auf Dialog

„Als Moderatoren eines Klimas der Wirtschaftsfreundlichkeit ist die neue Landesregierung gefordert, die Ergebnisse dieser Studie ernst zu nehmen“, so Autor Wagner angesichts der Resultate seiner Untersuchung. Auch die Tiroler Adlerrunde hofft seitens der politisch Verantwortlichen auf offene Ohren, wie Präsident Erich Geisler sagt: „Wir möchten mit der aktuellen Studie, die als Stimmungsbarometer verstanden werden soll, der Landespolitik die Hand reichen. Wir hoffen, dass die Verantwortlichen erkennen, was wir als Wirtschaftstreibende brauchen und dementsprechend handeln.“ Die Adlerrunde sei für einen intensiven Dialog im Sinne der Standortsicherung jederzeit bereit.

Hochkarätig besetzte Podiumsdiskussion

Im Anschluss an die Präsentation der Studie diskutierte ein hochkarätiges Podium unter der Leitung von ORF-Chefredakteur Christoph Sailer und TT-Chefredakteur Alois Vahrner. Kritisiert wurde auch in dieser Runde die allgegenwärtige Bürokratie. Dieter Toth (CEO Eurotours) brachte es auf den Punkt: „Der Gesetzesdschungel ist gewaltig, ein Durchforsten dringend anzuraten. Denn es geht um unsere Wettbewerbsfähigkeit und die Zeiten werden nicht besser sondern härter.“ Ingeborg Freudenthaler (GF des Familienunternehmens Freudenthaler und Mitglied der Adlerrunde) bekannte wiederum: „Vielfach fühlen sich Unternehmer als Bittsteller, viele Beamten haben regelrecht Angst vor Entscheidungen. Und in Wahrheit können Unternehmer all das was vorgeschrieben ist nicht mehr erfüllen. Es geht uns in der Adlerrunde um eine gemeinsame Aufbruchsstimmung von der das ganze Land profitieren soll.“ Anton Pletzer (u.a. Vizepräsident der Tiroler Adlerrunde) wiederum forderte von der Verwaltung mehr Hausverstand ein und zeigte sich angesichts der neuen Regierungskonstellation kritisch in Bezug auf dringlich anstehende Wirtschaftsimpulse: „Wir brauchen keinen Stillstand, wir müssen Wohlstand erhalten.“ Und auch Max Kloger (GF Duktus S.A.) betonte die Notwendigkeit von klaren Entscheidungen: „Weg vom Atomstrom hin zur Wasserkraft – auch in dieser Frage werden z.B. die Grünen irgendwann klar Stellung beziehen müssen!“

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Tiroler Adler Runde
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