Pressezone der pro.media kommunikation
home | promedia | presse | feed.php
Ressort: Politik, Tourismus, Wirtschaft
Datum: 29.4.2014
Ort: Innsbruck

Bergbahnstudie: Zukunftsperspektiven für die Bergbahnen im Zentralraum Innsbruck

Die Endfassung der Innsbrucker Bergbahnstudie basiert auf einer umfassenden betriebswirtschaftlichen Analyse des gegenwärtigen Ist-Zustandes der sechs eigenständigen Unternehmen Glungezerbahn, Patscherkofelbahnen, Muttereralm Bergbahnen, Axamer Lizum, Bergbahnen Oberperfuss und Innsbrucker Nordkettenbahnen. Der von den Schweizer Seilbahnexperten grischconsulta ausgearbeitete Masterplan präsentiert nun auf Basis eines über einjährigen umfangreichen Variantenstudiums und detaillierter Expertisen zur Zukunft der Bergbahnen als auch zu den zwei möglichen Skigebietsverbindungen Muttereralm - Axamer Lizum (Kleine Verbindung) und Axamer Lizum – Schlick 2000 (Große Verbindung) drei mögliche Gesamtszenarien.

Die vom Tourismusverband Innsbruck und seine Feriendörfer (TVBI) beauftragte Studie „Investitionsstrategie und Masterplan Bergbahnen Innsbruck“ von grischconsulta ist eine umfassende und differenzierte Untersuchung unter touristischen und betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten, die eine solide Grundlage geben soll, um die Zukunft der Bergbahninfrastruktur im Tiroler Zentralraum langfristig sicher zu stellen.

Abkehr vom „Gießkannenprinzip“ und Feuerwehraktionen beim Einsatz öffentlicher Mittel

„Wir wollen eindeutig  weg vom Gießkannenprinzip und finanziellen Feuerwehraktionen“, stellt Karl Gostner, Obmann des TVB Innsbruck und seine Feriendörfer, klar. „Nur so sind künftig sinnvolle, abgestimmte Förderungen für nachhaltige und innovative Projekte möglich“, führt er aus. Die Angebote rund um Innsbruck aufeinander abzustimmen, bedeute die Gäste zu lenken. Mit dem Fokus auf betriebswirtschaftliche Aspekte sollen die Verluste minimiert werden.

Für Innsbrucks Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer ist in diesem Zusammenhang klar: „Über eine angebotsseitige Abstimmung kann der Freizeitwert und das touristische Angebot der Destination Innsbruck mittel- und langfristig gestärkt werden.“ 

Ein stadtnahes Großraumskigebiet könnte selbsttragend betrieben werden

Die Stoßrichtung zukunftsfähiger Entwicklungen liegt aus touristischer und betriebswirtschaftlicher Sicht für Studienautor Roland Zegg klar auf der Hand: „Unter diesen Gesichtspunkten führt im Sinne einer Fokussierung auf die Stärkefelder (Familien, Könner, Sommer, Winter etc.) auch mit einer offensiven Strategie kein Weg an der Sinnhaftigkeit eines Großraumskigebietes vorbei.“  Offensive Lösungsvarianten seien, so Zegg, touristisch und betriebswirtschaftlich sinnvoll und produzieren bei professioneller Führung und stimmigem Marketing positive Unternehmensergebnisse. „In diesem Sinn ist die offensive Variante regionalwirtschaftlich eindeutig zu empfehlen.“

Leistungen der Bergbahnen müssen wieder verkauft statt halb verschenkt werden

In allen Varianten müssten künftig die derzeit bestehenden Konkurrenzsituationen der drei Bergbahn-Gesellschaften am Patscherkofel, in der Muttereralm und in der Axamer Lizum zusammengeführt und im besten Fall aus einer Hand gemanagt werden. Damit könnten bereits im laufenden Betrieb Kosten eingespart, aber auch Angebot, Marktpositionierung sowie Marketing abgestimmt werden. Vorhandene Lifte und Pistenkapazitäten müssten in dieser Hinsicht adaptiert und eindeutig auf spezifische Kunden- und Nutzerspezialisierungen differenziert ausgerichtet werden. Dabei hätten neben den Winter- vor allem auch neue Sommerangebote und Ausflugserlebnisse am Berg ein beträchtliches noch nicht genutztes Potential, zumal neben den rund 2 Mio. Nächtigungen auch die rund 250‘000 ständigen Einwohner und Studenten von Innsbruck und Umgebung potentielle Gäste sind.

Durch den unternehmerischen Zusammenschluss der Bergbahnen (der unter dem Arbeitstitel „Holding“ von grischconsulta unter dem Blickwinkel der Bestimmungen des Beihilfsrechtes in drei möglichen Varianten skizziert wird) würde der interne Konkurrenz- und Preiskampf beendet werden, die Bergbahnen könnten ihre Leistungen wieder mit aktivem Marketing verkaufen statt sie halb zu verschenken. Durch den aktuell laufenden Ankauf der Patscherkofelbahn durch die Stadt Innsbruck wird diese Zusammenführung wesentlich erleichtert.

Variante  1: Inns’re Berge – ohne Verbindung Axamer Lizum - Muttereralm

Falls von den heutigen Gesellschaftern kein Bekenntnis und keine verbindliche Zusage zu den dringenden Erneuerungsinvestitionen im eigenen Gebiet gemacht werden kann, ist aufgrund des Risikos sehr hohe Defizite zu erwirtschaften, der Bau der Verbindung Axamer Lizum – Muttereralm aus Sicht der Experten nicht zu empfehlen.

In diesem Falle würden die Skigebiete Axamer Lizum und Muttereralm als kleine, rasch erreichbare, stadtnahe Skigebiete im Winter und als Ausflugsgebiete und Naturerlebnis im Sommer positioniert werden und erhalten bleiben. 

Bei dieser Variante würde das Netto-Investitionsvolumen 49 Millionen Euro betragen. Das voraussichtliche Defizit würde sich auf 2 Mio. Euro pro Jahr belaufen.

Variante 2: Ski Innsbruck – Verbindung zwischen Muttereralm und Axamer Lizum

Der Bau der kleinen Verbindung und deren Finanzierung mit Hilfe öffentlicher Mittel wäre laut der Studie von grischconsulta, nur dann zu empfehlen, wenn die beiden Unternehmungen in der Axamer Lizum und auf der Mutterer Alm verbindlich zusichern können, dass sie auch die dringenden Erneuerungsinvestitionen in den eigenen Gebieten garantieren. 

Durch die Realisierung der kleinen Verbindung mit in Summe 55 Pistenkilometern und einem Netto-Investitionsvolumen von 68 Mio. Euro würde ein Angebot geschaffen, das vor allem Tagesgäste aus dem süddeutschen Raum aber auch verstärkt wieder Einheimische anspreche. 

Durch die kleine Verbindung und den Ausbau des Sommers einerseits und durch den Ausstieg aus dem klassischen Skitourismus im Raum Patscherkofel – Glungezer andererseits könnte der Cashflow für eine konsolidierte Unternehmung aus Axamer Lizum, Muttereralm und Patscherkofel von einem heute leicht negativen Cashflow (- 0,1 Mio. Euro) auf ca. 2,5 Mio. Euro (ohne Zuschüsse) gesteigert werden. Die Steigerung beim Umsatz ließe sich auf den Mehrumsatz durch das Verbindungsprojekt im Winter und einem Mehrumsatz durch die Realisierung von Erlebnis- und Inszenierungsprojekten im Sommer und ganzjährig erzielen. 

Bedingt durch die notwendigen Investitionen würden aber auch die Abschreibungen stark ansteigen und sich damit ein Verlust für die konsolidierte Unternehmung aus Axamer Lizum, Muttereralm und Patscherkofel ergeben. Das jährliche Defizit würde sich nach den Berechnungen der Experten in diesem Szenario auf rund 3 Mio. Euro (im 10. Betriebsjahr) erhöhen.

Darüber hinaus wird von den Experten von grischconsulta die Realisierung der direkten Anbindung des Skigebietes und Sommer-Ausflugsdestination Muttereralm an das öffentliche Nahverkehrssystem in Mutters dringend empfohlen. Hierzu sollte eine neue Haltestelle der Stubaitalbahn in der Nähe der Talstation Muttereralm gebaut werden. So könnte ein komfortabler „Muttereralm-Shuttle“ direkt von der Stadt aus angeboten werden.

Variante 3: Ski Innsbruck – Stubai

Die Analyse von grischconsulta kommt zum Schluss, dass mit der Realisierung von kleiner (Muttereralm - Axamer Lizum) und großer Verbindung (Axamer Lizum – Schlick 2000) ein wettbewerbsfähiges Angebot für Aufenthalts- und Tagesgäste entstünde. „Der offensive Weg mit einem stadtnahen Großraumskigebiet könnte die notwendigen höheren Erträge und Ersteintritte generieren, die essentiell sind für den betriebswirtschaftlich nachhaltigen Betrieb“, erklärt Zegg. Die Verbindung würde nicht nur ein Naturjuwel für viele Menschen erlebbar machen, der Zusammenschluss verbinde auch die rund 11.500 Betten und 825.000 Winternächtigungen (Dez. bis März) im Stubaital über die Skigebiete Schlick 2000, Axamer Lizum und Mutterer Alm mit dem Einzugsgebiet der Stadt Innsbruck und umgekehrt. Die Variante Ski Innsbruck – Stubai würde (inkl. dem Anteil an der großen Verbindung) eine Netto-Investition von ca. 82 Mio. Euro auslösen, wobei das konsolidierte jährliche Defizit der Gesellschaften Axamer Lizum, Mutterer Alm und Patscherkofel auf ca. 0.7 Mio. Euro abgesenkt werden könnte. Davon entfällt ca. 0.5 Mio. EUR auf den Betrieb am Patscherkofel.

Die Investitionen und Ergebnisse sind in folgenden Tabellen zusammengefasst - Download Tabellen.

Schlussfolgerung

Im Umkehrschluss kommt grischconsulta mit Blick auf die beiden verbleibenden Varianten zur Erkenntnis: „Falls die offensive ‚Große Verbindung‘ nicht verwirklicht werden kann, empfiehlt sich ein auf die tatsächlichen Bedürfnisse der Zielgruppen reduzierter Anlagenpark bei den Bergbahnen rund um das Gebiet Innsbruck. 

Bei den Varianten 1(mit) und 2 (ohne ,kleine Verbindung‘ Muttereralm - Axamer Lizum) ist der Betrieb einer konsolidierten Gesellschaft aus Axamer Lizum, Muttereralm und Patscherkofel nicht selbsttragend bzw. kann die Refinanzierungsquote von 100% bei weitem nicht erreicht werden.“ Investitionen in die Bergbahnen seien  in diesem Fall aus unternehmerischer und betriebswirtschaftlicher Sicht nicht empfehlenswert  weil bei diesen Lösungen deutlich höhere laufende Kosten für die öffentliche Hand entstehen würden, so die Experten von grischconsulta weiter. 

Zur Positionierung der einzelnen Bergbahnangebote im Großraum Innsbruck

Der Masterplan Bergbahnen Innsbruck von grischconsulta untersucht auch die Positionierungsmöglichkeiten der einzelnen Bergbahnen rund um Innsbruck und schlägt konkrete Maßnahmen vor.

Die Skigebiete am Glungezer und am Rangger Köpfl wurden dabei nicht in die Betrachtungen einer konsolidierten Unternehmung mit einbezogen, wohl aber in die Lösung zur Positionierung und zur Führung der Gesellschaften.

Von der vertiefenden Betrachtung ebenfalls ausgenommen wurden die möglichen Projekte auf der Nordkette, da die bestehende Innsbrucker Nordkettenbahnen Betriebs GmbH mit ihrem Angebot bereits klar positioniert ist und innerhalb des bestehenden Vertragswerkes mit der Stadt langfristig autonom und unabhängig agiert.

Das Ranggerköpfl würde analog zur heutigen Ausrichtung als kleines Familienskigebiet mit erstklassiger Rodelbahn im Winter und als Ausflugsberg für Familien im Sommer positioniert. Das Gebiet wird weiterhin im Eigentum der Gemeinde mit viel ehrenamtlicher Tätigkeit geführt.

In allen Varianten sollte der Raum Patscherkofel-Glungezer als ganzjähriger naturnaher Ausflugsberg und Sommererlebnis positioniert werden. Dies würde eine starke Aufwertung des Erlebnisangebotes (ganzjährig) auf beiden Bergen und im Winter einen mittelfristig reduzierten klassischen Skibetrieb mit deutlich tieferen Investitions- und Betriebskosten umfassen.

Konkret würde das für den Winterbetrieb am Patscherkofel bedeuten: kurzfristig eine optimierte Abstimmung des Betriebes mit präferierten Zielgruppen wie Familien, Schulklassen etc. und Sanierung bzw. Neubau der Pendelbahn; mittelfristig Ausrichtung als Berg für Freerider, Winterwandern/Schneeschuhwandern/Skitouren ohne Pistenpräparation und Konzentration des klassischen Skibetriebes auf das Trainings- und Anfängergelände im unteren Teil.

„Aus betriebswirtschaftlicher Sicht ist ein voller Skibetrieb am Patscherkofel nicht empfehlenswert“, stellt Studienautor Zegg eindeutig fest. „Dies bedeutet zusätzliche Netto-Investitionen von 6,5 Mio. Euro und ca. 800.000 Euro pro Jahr zusätzlichen Verlust für eine konsolidierte Gesellschaft Patscherkofel, Muttereralm und Axamer Lizum“, so Zegg. Die Ausrichtung auf einen naturnahen Tourismus macht auch auf Grund des hier natürlich gegebenen Potentials Sinn, und es ergibt sich eine Übereinstimmung der Winter- und Sommerausrichtung.  

Ausbau des Sommerangebots – großes Potenzial bei geringem Investitionsbedarf

Abschließend weisen die Studienautoren auf das brach liegende Potenzial im Sommer hin. Hier könnte mit vergleichsweise geringen Investitionen ein großer Effekt aktiviert werden. Für den Raum Patscherkofel-Glungezer wird unter dem Motto „Naturerlebnis und Panorama zum Genießen“ die Aufwertung Zirbenweg sowie eine Erlebnisinszenierung am Patscherkofel ins Auge gefasst. Die Muttereralm soll verstärkt als aktiver Family-Berg Gäste anlocken und mit Downhill-Strecken und einem aufgewerteten Kinderland und als Abenteuerberg punkten. Und die Axamer Lizum soll unter dem Slogan „Abenteuer und Sport in der AdrenaLizum“ Sommerdownhill und Erlebniswelt am Birgitzköpfl und im Talgrund bieten. 

Link zur Studie von grischconsulta:
www3.innsbruck.info/verband/pdf/Bericht_BB_Innsbruck_final.pdf

zurück | Textversion | Druckversion | weiterleiten

Medienkontakt:

pro.media kommunikation
c/o mag. stefan kröll
maximilianstr. 9
a-6020 innsbruck

t: +43 512 214004 11
f: +43 512 214004 21
m: +43 664 5258868

www.pressezone.at
promedia.kroell@pressezone.at

fotodownload 300 dpi

Studienautor Roland Zegg von grischconsulta.

Foto: pro.media (Abdruck honorarfrei)

copyright pro.media. alle rechte vorbehalten.  |home|impressum|agb|filmübersicht|content|mail-abo