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Ressort: Finanzwesen, Wirtschaft
Datum: 07.5.2014
Ort: Innsbruck

STUDIE: Kreditgeschäft im Wandel – wie viel Geld braucht Wirtschaftswachstum?

Die Zukunft des Kreditgeschäfts wird in den Medien oft im Zusammenhang mit einer vermeintlichen Kreditklemme thematisiert. Erste Bank und Sparkassen sehen die Ursache für schwaches Kreditwachstum in der Zurückhaltung der Kreditnehmer. Eine Studie von Macro-Consult im Auftrag von Erste Bank und Sparkassen bringt erstaunliche Ergebnisse: Vor der Finanzkrise wurden 1,1% Kreditwachstum für die Produktion von 1% BIP-Wachstum benötigt. Heute sind es nur mehr 0,3%.

Neuer Schwung für Österreichs Wirtschaft

Die globale Finanz- und Staatsschuldenkrise ist noch nicht vollständig, aber immerhin einigermaßen überwunden. Nach gedämpftem Wirtschaftswachstum im Vorjahr (+0,4% real) ist für 2014 und 2015 leichtes Wachstum zu erwarten: Das BIP soll im Jahr 2014 um 1,7% und im Jahr 2015 um 2% wachsen, der Warenexport sich um rund 5% in beiden Jahren erhöhen und die Investitionen um 4% steigen. Der private Konsum sollte im Jahr 2014 um 0,8% und im Jahr 2015 um 1,1% verhalten expandieren. Der Preisanstieg wird mit rund 1,8% (2014) und 1,9% (2015) laut WIFO und IHS wohl im derzeitigen Rahmen bleiben.

Die Perspektiven für die Arbeitslosenrate sind unterschiedlich. WIFO prognostiziert einen Anstieg auf 5,3% im Jahr 2015 (2013: 4,9%), IHS und die Europäische Kommission hingegen einen Rückgang auf 4,7%.

Unternehmen setzen ihren Schwerpunkt auf Bankkredite und Anleihen

Insgesamt lagen die gesamten Verpflichtungen (Passiva), also Eigenkapital und Fremdkapital, der österreichischen Unternehmen im 4. Quartal 2013 bei knapp 752 Mrd. Euro. Im Bereich Fremdfinanzierung setzten Unternehmen ihren Schwerpunkt auf langfristige Bankkredite. Diese beliefen sich auf  224,3 Mrd. Euro und machten 58,6% der Fremdfinanzierung aus. Außerdem gewannen Unternehmensanleihen in den letzten 15 Jahren zunehmend an Bedeutung: Waren es im Jahr 2000 noch 17,4 Mrd. Euro Anleihefinanzierung, stieg der Betrag bis 2013 bereits auf 64,3 Mrd. Euro an. Der Bereich Eigenfinanzierung belief sich auf gesamt 368,9 Mrd. Euro bzw. 49,1%. Den größten Teil davon machten mit 368,9 Mrd. Euro sonstige Anteilspapiere (GmbH-Anteile und Aktien) aus.

Es braucht deutlich weniger Kreditwachstum für Wirtschaftswachstum

Die Finanzkrise 2008/09 und der strukturelle Wandel der Gesellschaft durch die Globalisierung und Digitalisierung aller Lebensbereiche bewirkten einen bemerkenswerten Bruch im Verhältnis zwischen Kredit- und Wirtschaftswachstum. Die Elastizität der Kredite zum Bruttoinlandsprodukt sank in den letzten 5 Jahren von 1,1 auf 0,3 – das ist eine Abnahme von zwei Dritteln. Das bedeutet, zum Wirtschaftswachstum von 1% BIP braucht es heute nicht mehr wie vor 5 Jahren 1,1% Kreditwachstum, sondern nur mehr 0,3%.

Schwaches Kreditwachstum ist kein Ergebnis einer Kreditklemme, sondern von mangelnder Nachfrage

„Eine Kreditklemme, also eine Unfähigkeit der Banken, Kredite zu vergeben, gibt es nicht – das ist kompletter Unfug“, so Harald Wanke, Obmann Sparkassen Landesverband Tirol u. Vorarlberg. Auf Seiten der privaten Haushalte wird die Kreditnachfrage durch die schwache Entwicklung des Einkommens und die steigende Arbeitslosigkeit gebremst. Bei Unternehmen geht die verhaltene Kreditnachfrage mit einer Abnahme der Investitionstätigkeit um 4% im Jahr 2013 einher. Darüber hinaus ist dank der derzeit guten Cashflow-Situation die Eigenfinanzierungskraft der Unternehmen gestiegen. Außerdem nehmen große Unternehmen verstärkt Anleihefinanzierungen oder Schuldscheindarlehen in Anspruch.

Mit zunehmendem Wirtschaftswachstum ist auch ein Anstieg des Kreditvolumens zu erwarten. Ausgehend von einem prognostizierten nominellen Wirtschaftswachstum für 2014 von 3,1% und einer Elastizität von 0,3 errechnet sich für 2014 ein Kreditwachstum von 1,0% nach einem Rückgang um 1,3% im Vorjahr. Das Wachstum des Kreditvolumens sollte sich im Jahr 2015 auf 1,7% beschleunigen.

Kreditkonditionen sind derzeit besonders günstig

Harald Wanke: „Die Sparkassen wollen und werden zu diesem Aufschwung einen Beitrag liefern und sich verstärkt in der Unternehmensfinanzierung engagieren.“ Die Marktanteile des Sparkassensektors sind seit 2006 von 15,7% auf 17,1% im Jahr 2013 gestiegen. Österreichs KMUs haben im vergangenen Jahrzehnt die langfristige Finanzierung gegenüber den kurzfristigen, jährlich zu verlängernden Kreditlinien deutlich ausgebaut, nicht zuletzt weil eine Erhöhung der Eigenkapitalquote von 17% (2001/02) auf 29% (2011/12) gelang.

Die Kreditkonditionen in Österreich sind derzeit für alle Kreditnehmer durch die niedrige Zinslage äußerst günstig. Der durchschnittliche Zinssatz im Neugeschäft für Kredite bis 250.000 Euro betrug zuletzt im Durchschnitt nur 2,7%. Deutsche KMUs mussten 3,7% (also um 100 Basispunkte mehr) und italienische sogar 4,9% (um 220 Basispunkte) mehr bezahlen. 

„Angesichts der in den nächsten Jahren zu erwartenden Anhebungen der Leitzinsen sind Fixzinsbindungen zu überlegen, da sie den Kreditnehmer vor dem Zinsänderungsrisiko schützen“, so Wanke abschließend.

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Mag. Harald Wanke, Obmann Sparkassen Landesverband Tirol u. Vorarlberg (li.) und MMag. Hermann Nagiller, GF Sparkassen Landesverband Tirol u. Vorarlberg stellen die von der Erste Bank und Sparkassen in Auftrag gegebene Studie vor.

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(v.l.:) Mag. Harald Wanke, Obmann Sparkassen Landesverband Tirol u. Vorarlberg, MMag. Hermann Nagiller, GF Sparkassen Landesverband Tirol u. Vorarlberg.

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